Träumer*Innen…

Zwar kommt es vor, dass uns Kunden mit der Suche nach einer «Plug & Play»-Kandidatur beauftragen, einer Person also, die Erfahrung in einer ähnlichen Position und Branche hat wie sie selbst. Häufiger ist jedoch der Wunsch nach ergänzenden Profilen, mit dem Ziel, einen sich stetig wandelnden Markt innovativ zu erschliessen. Unsere Kunden suchen letztlich nicht in erster Linie nach Bestätigung durch einen Kandidaten oder eine Kandidatin, sondern sie möchten hinterfragt und inspiriert werden. Die besten Vorstellungsgespräche gibt es deshalb oft nicht dann, wenn der Bewerber oder die Bewerberin glaubt, alle Fragen «richtig» zu beantworten, sondern wenn ein Gespräch entsteht und jemand die richtigen Fragen stellt – die davon zeugen, dass er oder sie neue Ideen einbringen kann. 

In diesem Sinne stammte unser verwirrendstes und letztlich fruchtbarstes Mandat der letzten Monate von einem Unternehmer, der auf der Suche nach einem Generaldirektor oder einer Generaldirektorin für ein Unternehmen war und uns bat, nach «einem Träumer oder einer Träumerin» zu suchen. Moment… – der  Head Hunter steckt seine Pfeile in den Köcher und geniesst das Gefühl: Ein Raum der Freiheit tut sich auf.

Ein Träumer?! Eine Träumerin?!

Eine Person, die Neues denkt, die Zukunft erfindet und nicht nur Rezepte ausführt. Die sich keine Grenzen setzt und Barrieren überwindet (die zweite Vorgabe lautete, dass wir uns nicht auf die Branche des Kunden beschränken, sondern uns in einem anderen Universum umschauen sollen).

Das ist doch nichts Besonderes, entgegen Sie?

Ich denke schon: Erstens, weil ein*e Träumer*in gesucht wurde und nicht ein «Innovation Leader», indem also nicht eines der Modewörter gewählte wurde, die so inflationär verwendet werden, dass es an Beliebigkeit grenzt. Hier wurde ein einfacher, konkreter, sinnerfüllter Begriff aus der Realität vorgezogen und damit eine Richtung, eine Ethik, eine Anforderung, eine Weltanschauung signalisiert.

Denn ja, es war eine Weltanschauung, die der Kunde vermitteln wollte: Er, der seit Jahrzehnten in der Schweiz lebt und in Europa und weiter entfernten Breitengraden aufgewachsen ist, betonte die Einzigartigkeit der Schweiz, «dieses Land ohne natürlichen Reichtum und ohne eigene Sprache, das einzig durch den Willen von Menschen entstand, die sehr unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Mentalitäten hatten und ihr Schicksal gemeinsam meistern wollten» (1).

In einer Welt, die häufig polarisiert zwischen dem Rückzug auf sich selbst und dem Anspruch, Unterschiede zu achten – wobei dieser Anspruch nur allzu häufig mit ebenso vielen Eigeninteressen verbunden ist, die uns eher trennen als einen (2) – war der zutiefst humanistische und universalistische Ansatz dieses Kunden inspirierend und heilsam. Er formulierte eine Unternehmensvision im Sinne eines universalistischen Projekts: ein offener Raum, in dem jede*r einen Beitrag leisten kann, ohne einer Identität zugeordnet zu werden. Als wir ihm zuhörten, erkannten wir ein befreiendes Unterfangen, das so gar nichts zu tun hat mit irgendwelchen verblendeten Ideologien. Mit einfachen und wahren Worten, mit Ehrlichkeit, zeigte er uns auf, wie ein Unternehmen den Sinn für das Gemeinwohl leben kann. 


1. Wir danken ihm für diese Worte, die wir zitieren, ohne ihn namentlich zu nennen, damit wir die mit unserem Beruf verbundene Diskretion wahren.
2. Stichworte sind hier Identitätspolitik, Cancel Culture und Woke-Kultur aus den USA.

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