Hören, zuhören und schweigen

Nach Ihrer Rückkehr aus dem Urlaub sind Sie am Montagmorgen wieder im Büro.  Ein Teil von Ihnen befindet sich noch in anderen, berauschenderen Gefilden, weshalb es Ihnen schwerfällt, sich an Ihr Login-Passwort zu erinnern. Sie schwelgen noch etwas in den Erinnerungen an:

 Sonnenuntergänge am unendlichen Horizont

 Sonnenaufgänge auf Berggipfeln

 Apéros unter Weinreben

 gutes Essen und guten Wein

 Frühstück um 11 Uhr

(bitte Zutreffendes ankreuzen, es sind Mehrfachnennungen möglich)

Ihre Arbeitskollegin erkundigt sich nach Ihrem Urlaub und möchte wissen, wie es war. Sie beginnen: «Wir haben ein abgelegenes Haus in den Hügeln der Provence gemietet und …». Und fertig, das war’s. Beim Stichwort «Provence» gibt es für Ihre Teamkollegin kein Halten mehr: Sie erzählt lang und breit, dass sie vor Jahren mit Freundinnen einen supertollen Urlaub in der Provence verbrachte, in einem wuuuunderbaren Haus. Dass der Vermieter aber alles andere als sympathisch war. Dann beglückt sie Sie mit unzähligen Details. Ihre eigene Urlaubsgeschichte, die Sie vielleicht gerne geteilt hätten, und sei es nur, um sich bewusst zu machen, dass die Ferien vorbei sind, findet ein vorzeitiges Ende. Im Keim erstickt, wie es Phagozyten tun, indem sie Krankheitserreger umschliessen und vernichten. Das ist keine Tragödie? Das stimmt, aber es passiert immer wieder – und das IST eine Tragödie. Denn viel zu oft schon haben Sie versucht, sich jemandem anzuvertrauen, sich behutsam und zurückhaltend voranzutasten, nur um dann die Erfahrung zu machen, dass Ihr Gegenüber den Ball abfängt und damit davonrennt.

Auch im beruflichen Umfeld ist dieses Muster an der Tagesordnung. Wie viele Führungskräfte hören ihren Mitarbeitenden (aber auch anderen Führungskräften und ihren Vorgesetzten) aufmerksam und konzentriert zu, ohne gleich wieder alles auf sich selbst zu beziehen?

Natürlich kennen wir alle das Übel, dass wir bei der blossen Erwähnung eines Gedankens, eines Ortes oder eines Gefühls in unserem Kopf eine Reise antreten und den eigenen Gedanken nachhängen. Wenn es bei diesen inneren Abschweifungen bleibt, ist das noch entschuldbar. Wenn es hingegen die Beziehung zum Gegenüber bestimmt, ist das eine andere Geschichte. In einem Mitarbeitergespräch, das für viele der einzige Moment im Jahr ist, in dem sie ihre Anliegen vorbringen möchten, kann die Erfahrung demoralisierend sein: Sie kommen einfach nicht zu Wort.

Auch wenn es einem inneren Kampf gleichkommt, sich nicht einfach zurückzuziehen, lohnt sich die Mühe. Dies gilt erstens für die Qualität der Beziehung und zweitens für den Beitrag, den man zum Wohlbefinden des anderen leisten kann.

Doch wie können Sie konkret reagieren, wenn jemand nicht bemerkt, dass Sie etwas Wichtiges mitteilen möchten? Es bleibt keine andere Wahl, als die Person darauf aufmerksam zu machen. Dies sollte so behutsam wie möglich geschehen, wobei dies für einige möglicherweise einfacher ist als für andere. Wichtig ist, dass der Gesprächspartner es hört und anschliessend wirklich zuhört. Falls auch das nicht funktioniert, bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als aufzugeben und sich ein anderes, offenes Ohr zu suchen.

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