Warum „Happiness“ auch im Geschäftsalltag wichtig ist

Von Melanie Tschugmall

Mit dem neuen Jahr haben viele von uns Vorsätze für das kommende Jahr gefasst, um verschiedene Bereiche ihres Lebens zu verbessern. Dabei geht es um Ziele wie Fitness, Ernährung, den Umgang mit Alkohol oder das Aufgeben des Rauchens. Der Trend des „Dry January“ ist fast schon dogmatisch geworden, und ich bin mir nicht sicher, ob es oft eine wirklich persönliche Entscheidung oder einfach nur eine gesellschaftliche Norm ist. Persönlich habe ich mich entschieden, für 2024 kein spezifisches Ziel oder klare Verbesserungsaspekte zu setzen, sondern stattdessen ein Motto zu wählen – „Happiness“.

Obwohl nicht jede Situation unter dem Banner von „Happiness“ stehen wird, bin ich überzeugt oder zumindest bemüht, meine Gedanken so zu lenken, dass wir manchmal die Wahl haben, wie wir Situationen wahrnehmen. Zum Beispiel kann die Zurückweisung nach einer Bewerbung für einen Job entweder als Verlust betrachtet werden oder, durch bewusste Auswahl von „Happiness“, als Gelegenheit für persönliches Wachstum und Vertrauen darauf, dass etwas Besseres bevorsteht. Dabei liegt der Fokus auf der erfreulichen Tatsache, überhaupt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden zu sein oder für diese Stelle in Betracht gezogen worden zu sein. Diese Perspektivenänderung ist möglicherweise nicht universell anwendbar, und ich befürworte keinesfalls eine toxische Positivität. Dennoch kann inmitten einer VUCA-Welt (volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig) eine subtile Verschiebung der Perspektive manchmal dazu beitragen, uns „happier“ machen und damit unseren Blick für Neues öffnen.

In meiner aktuellen Lektüre von „The Little Book of Lykke: The Danish Search for the World’s Happiest People“ von Meik Wiking, CEO des Happiness Research Institute, schätze ich den wissenschaftlichen Ansatz, der internationale Daten über mehrere Jahre analysiert. Ich glaube, dass die Erkenntnisse, Überlegungen und Ideen für ein „happieres“ persönliches Leben auch auf den Geschäftsbereich übertragen werden können, wie in einem entsprechenden Artikel der Harvard Business Review von 2023 hervorgehoben wird. Dieser unterstreicht, was moderne Führungskräfte bereits wissen sollten: Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen glücklichen Mitarbeitenden und einer 13%igen Steigerung der Produktivität (Novel Oxford Research).

Trotz dieses Wissens sind freiwillige Kündigungen oder sogenanntes „quiet quitting“ auf einem Höchststand. Laut den neusten Gallup-Daten betrifft dies 50% der weltweiten Arbeitskräfte, was darauf hindeutet, dass Sie wahrscheinlich auch jemanden kennen, der darüber nachdenkt oder bereits einen solchen Schritt unternommen hat. Aus unserer Erfahrung als Führungskräfte und Executive Search Consultants ist die Suche und die Neuanstellung von Talenten nicht nur kostenintensiv, sondern erfordert auch eine Anpassung des gesamten Teams, was immer ein Risiko darstellt und die Produktivität und Leistung negativ beeinflussen kann.

Was macht nun aber jemanden in einem Arbeitsumfeld mit transaktionalen Elementen (Arbeit gegen Geld) „happy“? Obwohl dies höchst individuell ist und sich im Laufe der beruflichen Laufbahn ändern kann, sehe ich es als Pflicht moderner Führungskräfte an, den sogenannten Sweetspot innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeitenden zu definieren. Eine hohe Flexibilität ist hierbei von entscheidender Bedeutung und gewinnt zunehmend an Relevanz, insbesondere für junge Menschen und Frauen. Laut den neuesten Daten von Gallup zählen diese Gruppen zu den am wenigsten zufriedenen Mitarbeitenden.

Heutzutage ist das Leben facettenreich und genauso sollte die Arbeitsumgebung sein. Die Grenzen verschwimmen zunehmend, was mehr Flexibilität erfordert. Eine globale Umfrage von Cisco ergab, dass 82% der Vollzeitbeschäftigten angaben, dass die Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten, sie glücklicher macht. Ebenso wichtig ist das Gefühl, der Zugehörigkeit zu einem Unternehmen, jedoch nicht im Sinne von „wir sind eine Familie“ (da diese Aussage selbst toxische Beziehungen aufbauen kann), sondern als ein Ort, den man gerne aufsucht, weil er ein Gefühl von Zugehörigkeit und Zweck vermittelt. Dies beginnt bei unmittelbaren Vorgesetzten (und ich sage bewusst nicht Managern) und erstreckt sich auf die gesamte Unternehmenskultur. Kultur basiert immer – wirklich immer – auf Werten und nichts anderem. Auch wenn ein Unternehmen also möglicherweise nicht die alleinige Quelle für Lebenserfüllung ist, sollte es dennoch ein Ort sein, an dem Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlen und den individuellen Zweck ihrer Arbeit erkennen können.

Daher ist es wichtig, dass Mitarbeiter sich darüber im Klaren sind, was sie am Arbeitsplatz glücklich macht, und dies effektiv kommunizieren. Schliesslich gehören immer zwei dazu. Flexibilität als wichtiger Aspekt ist mit Zugehörigkeit und Loyalität verbunden. Tatsächlich ergab eine Umfrage von Flexjobs, dass 80% der Befragten ihrem Arbeitgeber treuer wären, wenn flexible Arbeitsvereinbarungen angeboten würden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Glück, Flexibilität, Zugehörigkeit und letztendlich verbesserte Geschäftsproduktivität miteinander verbunden sind. Aus geschäftlicher Sicht ist „happiness“ entscheidend, ganz zu schweigen von der positiven Auswirkung, die es auf die Menschheit haben könnte, wenn die Mächtigen dieser Welt glücklicher wären.

Weitere Lektüre und Datenquellen:

https://www.forbes.com/sites/carolinecastrillon/2022/03/23/why-flexible-work-boosts-employee-productivity/?sh=386d70206e4b

https://hbr.org/2023/10/creating-a-happier-workplace-is-possible-and-worth-it

https://www.happinessresearchinstitute.com/

teammember mail bkg
GOTT SEI DANK, ES IST FREITAG!
Artikel für 24 Stunden vom Donnerstag, 20. Juni (Freitag, 21. Juni in der TdG) Endlich Freitag! Wie geht es Ihnen?…
Recruitment: Wissenschaft oder Kunst?
Die Debatte darüber, ob Wirtschaft – wie sie von einigen Universitätsfakultäten genannt wird – eine Wissenschaft ist, ähnlich den sogenannten…
Pareto: Das Barometer der organisatorischen Energie
Vor kurzem sind wir auf einen Artikel gestossen, der die Pareto-Regel im Kontext Ihres Teams beleuchtet. Die Quintessenz dieses Artikels…
ES ERGIBT KEINEN SINN, KLUGE LEUTE EINZUSTELLEN, UM IHNEN ZU SAGEN, WAS SIE TUN SOLLEN
Vorabveröffentlichung, Kolumne, die am Donnerstag, den 14. März, im 24Heures und am Freitag, den 15. März, in der La Tribune…
Seinen Platz einnehmen
Das Leben in einem Unternehmen ist wie das Leben in einer Gemeinschaft oder einer Familie, voller Freuden und manchmal auch…
Sind alle Coach?
Artikel auch veröffentlicht am 11. Januar 2024 im 24heures und in der Tribune de Genève. Trotz meiner Bewunderung und Dankbarkeit…
Mit Nichts sterben
Artikel auch veröffentlicht in der Januar-Ausgabe des PME Magazins Der Titel dieser Kolumne bezieht sich auf den Buchtitel von Bill…
Wenn Sie sich diese Frage stellen, kennen Sie die Antwort bereits
Entscheidungen zu treffen, gehört in der Geschäftswelt zum Alltag. Gewisse Entscheidungen sind jedoch nicht einfach, so gehören sicherlich Entlassungen zu…
Hören, zuhören und schweigen
Nach Ihrer Rückkehr aus dem Urlaub sind Sie am Montagmorgen wieder im Büro.  Ein Teil von Ihnen befindet sich noch…
Strategisch und/oder operativ
In der Rekrutierungswelt werden wir teilweise mit sehr widersprüchlichen Anforderungswünschen konfrontiert. Da wir uns per Definition in einer nicht-exakten «Wissenschaft»…
© Alle rechte vorbehalten Ganci Partners    |    

This website is protected by reCAPTCHA and Google | Privacy | Terms

Design von benben.ch