Ambitioniert im Briefing, zurückhaltend bei der Entscheidung

von | Okt. 26, 2026

Jedes Mandat, mit dem uns unsere Kundinnen und Kunden betrauen, beginnt bei uns mit einem Briefing, einem Kick-off. Dabei sprechen wir mit der Geschäftsleitung oder dem Verwaltungsrat über ihre Ambitionen, ihre Strategie und manchmal auch über das, was ihnen Freude bereitet oder Sorgen macht. Diese Gespräche sind wertvoll: Sie helfen uns, den Rahmen und den Kontext einer Suche besser zu verstehen und gleichzeitig die Menschen kennenzulernen, die letztlich die Entscheidung treffen.

Die Besetzung einer Führungsposition ist ein entscheidender Moment für Unternehmen, bei dem Ambitionen und Zukunftspläne auf die Notwendigkeit treffen, Risiken abzuwägen. Nicht selten steht dabei auch die Reputation des Auswahlgremiums gegenüber den Aktionärinnen, den Kunden, den Mitbewerbern und natürlich auch gegenüber den Mitarbeitenden auf dem Spiel.

Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen müssen deshalb sorgfältig abwägen, welches Führungsprofil am besten zum Unternehmen passt: Tradition versus Innovation, operative Kompetenz versus kommerzielle Ausrichtung, Kontinuität versus Umbruch. Die richtige Balance zu finden, ist umso schwieriger, als die eigenen Vorstellungen mit den Marktgegebenheiten, dem Kandidatenpool und insbesondere den Kandidatinnen und Kandidaten abgeglichen werden müssen, die sich einen Wechsel zur Organisation tatsächlich vorstellen können. Manchmal geben letztlich die Kandidatinnen und Kandidaten selbst die Richtung vor. Die Entscheidung fällt dann eher mangels Alternativen als aufgrund einer bewussten Wahl.

Bei solchen Rekrutierungsprozessen sind die Auswahlgremien beim ersten Briefing oft sehr ambitioniert – und das zu Recht! Unser Anspruch als Agentur für Executive Search ist es, unseren Kundinnen und Kunden mit vielfältigen und kreativen Shortlists echte Wahlmöglichkeiten zu eröffnen. Damit schaffen wir die Grundlage für eine fundierte Entscheidung, die ihren Ambitionen ebenso gerecht wird wie ihren Rahmenbedingungen. Nicht zuletzt schützen wir damit aber auch unsere eigenen Prozesse und stellen sicher, dass sich unsere Kundinnen und Kunden letztlich für eine passende Führungskraft entscheiden können.

Wir beobachten jedoch, dass die endgültige Wahl der Kandidatin oder des Kandidaten häufig konservativer und deutlich weniger ambitioniert ausfällt, als es die anfänglichen Gespräche erwarten liessen. Der Gedanke an Veränderung, unkonventionelle Ansätze und Neues ist verlockend, ja geradezu belebend, wird jedoch oft von den Risiken eingeholt, die bereits zu Beginn zur Sprache kamen.

Diese Zeilen könnten den Eindruck erwecken, dass wir den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern mangelnden Mut oder fehlende Risikobereitschaft vorwerfen. Dem ist keineswegs so. Entscheidungen zu treffen, ist schwierig. Entscheidungen zu treffen, die das Leben von Hunderten oder gar Tausenden von Mitarbeitenden beeinflussen, ist noch schwieriger.

Und doch … was, wenn ausgerechnet die vermeintlich sichere Wahl die riskanteste wäre?