Leadership in ruhigen Zeiten – eine gefährliche Illusion

von | März 2, 2026

Dieser Artikel geht auf eine unlängst mit Führungskräften und Verwaltungsräten geführte Diskussion und die aufschlussreiche Feststellung zurück, dass viele Führungspersonen für eine stabile Welt ausgebildet wurden, die schlicht nicht mehr existiert. Heute müssen sie in einem Umfeld agieren, auf das sie nicht wirklich vorbereitet wurden.

Lange Zeit war ein strukturiertes, vorsichtiges, fast «natürliches» Management möglich. Solange das Wachstum anhielt und klare Anhaltspunkte erkennbar waren, reichte ein striktes, zurückhaltendes Management aus.

Diese Zeiten sind vorbei. Anhaltende Inflation, geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche, regulatorischer Druck, Talentknappheit und volatile Märkte – Instabilität ist zu einem ständigen Begleiter geworden. Sie prägt unseren Alltag. Wer auf eine Rückkehr zur Normalität hofft, wartet auf etwas, dass es so nicht wieder geben wird.

Genau unter solchen Rahmenbedingungen heben sich echte Führungskräfte ab, während andere zurückfallen.

In turbulenten Zeiten wird ein zu vorsichtiger Führungsstil zum Risiko. Entscheidungen verzögern sich, Botschaften verlieren an Wirkung und am Ende reagiert man auf Ereignisse, anstatt sie zu steuern. Nicht die Unsicherheit ist das Problem, sondern das Fehlen eines klaren Kurses.

Wenn ein Unternehmen plötzlich einen erheblichen Teil seines Umsatzes einbüsst – Verlust eines wichtigen Kunden, aggressiverer Wettbewerb, Marktumschwung – kristallisieren sich zwei Führungsansätze heraus. Auf der einen Seite hat es die, die abwarten, ein Meeting nach dem anderen abhalten und Entscheidungen aufschieben. Die Zeit vergeht, die Kräfte schwinden und Zweifel macht sich breit. Und auf der anderen Seite jene, die schnell handeln und unpopuläre Entscheidungen darüber treffen, was eingestellt, was geschützt und was beschleunigt wird. In Krisenzeiten ist Schweigen nicht Gold, sondern Flucht.

In solchen Zeiten brauchen Teams keinen Manager, sondern einen echten Leader. Jemanden, der Verantwortung übernimmt, Entscheidungen trifft, Sinn stiftet und auch dann präsent bleibt, wenn der Druck steigt.

Leadership misst sich heutzutage nicht mehr an Karriereweg, Titeln oder Lebenslauf. Es gründet auf viel höheren Anforderungen: Klarsicht, Flexibilität, Mut, Resilienz, die Fähigkeit, die Wahrheit auszusprechen, zu mobilisieren und Veränderungen zu bewirken, selbst unter Druck. Vor diesem Hintergrund nimmt auch die Executive Search eine neue Dimension an. Es geht nicht mehr nur darum, Spitzenprofile zu erkennen, sondern Führungskräfte zu identifizieren, die in der Lage sind, auch dann Entscheidungen zu treffen, wenn die Unklarheit lähmt, und eine Organisation in unsicheren Zeiten zu steuern.

Leadership in ruhigen Zeiten ist passé.
Die Zukunft gehört denen, die das Ruder in stürmischen Zeiten fest in der Hand halten – und die in der Lage sind, ihre Teams mit Klarheit, Energie und Mut zu führen.

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