Im Film «Zwei glorreiche Halunken» gibt es eine Szene mit Kultstatus, bei der sich zwei Männer auf dem Friedhof von Sad Hill gegenüberstehen. Der eine ist im Besitz einer Waffe, der andere ist dabei, ein Loch zu graben. Diese Szene steht symbolisch für eine Welt, die auf brutale, fast karikaturhafte Weise in zwei sehr simple Kategorien unterteilt ist. Zur einen gehören die Menschen, die über Macht verfügen und zur anderen jene, denen nichts anderes übrig bleibt als zu gehorchen.
Es geht also im Grunde um eine Unterteilung in Menschen, die eine Wahl haben und andere, die keine Wahl haben.
Meist ordnet uns das Leben ganz automatisch einer dieser beiden Kategorien zu. Je nach persönlicher Geschichte sowie familiärer, sozialer oder geografischer Herkunft ist es oft schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sich aus der eigenen Lage zu befreien.
Im genannten Film haben die beiden Protagonisten einen sehr ähnlichen Hintergrund und zu Beginn gibt es keinerlei Hinweise darauf, zu welcher Seite sie gehören. Doch dann bringt ein Element die Situation gewaltig ins Wanken, nämlich ein geladener Revolver in der Hand des Blonden. Von diesem Moment an steht die Rangordnung fest.

Es lohnt sich deshalb, die Bedeutung des Revolvers genauer zu untersuchen. Ist er doch ein Symbol für Macht, sei es physisch oder auch symbolisch. Es geht in dieser Szene und auch im echten Leben demnach um die Möglichkeit, entscheiden, etwas befehlen oder gar erzwingen zu können. Weise eingesetzt, kann Macht für Struktur sorgen. Falsch eingesetzt, kann sie eine zerstörerische Wirkung haben. So gliedert und hierarchisiert sich unsere Welt.
Wir sind ganz verschiedenen Formen der Macht ausgesetzt, beispielsweise hierarchischer, elterlicher, politischer oder wirtschaftlicher.
Ein Unternehmen befindet sich genau an der Schnittstelle all dieser Formen von Autorität. Ähnlich einem Venn-Diagramm, in dem es gilt, sich mit spezifischen Kompetenzen zurechtzufinden – bisweilen sogar mit einem gewissen Talent.
Für wen würden Sie am liebsten arbeiten: für den Blonden, Tuco oder Sentenza?
Möglicherweise geht es gar nicht so sehr um Präferenzen, sondern um die Fähigkeit, mit einem Guten, einem Brutalen oder einem Schurken zusammenzuarbeiten.
Ein Revolver in der Hand einer oder eines Vorgesetzten kann massiven Schaden anrichten. Oft wird er von ängstlichen Führungskräften eingesetzt, die wenig Vertrauen in sich selbst oder ihre Fähigkeiten haben. Eher selten nutzen ihn Vorgesetzte jedoch gezielt mit böswilligen Absichten. Und Sie selbst, wie setzen Sie Ihren eigenen Revolver ein?
Diese Zeilen sind keine Aufforderung, sich eine Waffe zu besorgen, um sich äusseren Mächten zu widersetzen. Vielmehr sollen sie zu möglicherweise unangenehmen Überlegungen anregen und die Frage aufwerfen, mit welchen Formen der Macht wir in unserem eigenen Leben konfrontiert sind. Doch wesentlich ist vor allem: Welche Macht üben wir selbst auf andere aus?
Denn ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, wir alle spielen zuweilen die Rolle des Guten, des Brutalen oder des Schurken.







