ROSIGE ZEITEN ALS AUFRUF ZUR VERÄNDERUNG (Denn wer auf die Krise wartet, hat den Anschluss bereits verpasst)

von | Dez. 15, 2025

Viele begehen den Fehler, Veränderungen erst bei Schwierigkeiten oder in herausfordernden Zeiten in Betracht zu ziehen – sei es im Unternehmen, bei der Karriereplanung, im Privatleben oder sogar im Sport.

Ein leider häufig beobachtetes Phänomen, während in Wahrheit gilt: Stabilität darf niemals Stillstand bedeuten. Gerade dann, wenn alles rund läuft, sollte man den Mut zu Neuem haben. Ansonsten riskiert man, zu Veränderungen regelrecht gezwungen zu werden. Diese können dann schmerzhafter als nötig sein und manchmal sogar den Beginn eines langen Leidenswegs markieren.

Werden Veränderungen hingegen in Situationen angegangen, in denen gerade alles rund läuft, haben diese die positivsten Auswirkungen und stossen gleichzeitig auf den geringsten Widerstand. Nehmen wir den privaten Bereich. Dort können beispielsweise ein Umzug oder eine gut geplante berufliche Veränderung wichtige Weichen stellen, um das Familienleben zu bereichern oder die Karriere voranzutreiben. Entscheidungen, die jedoch unter Zeitzwang oder Druck getroffen werden, führen oft dazu, dass wir uns in noch verzwicktere Situationen manövrieren.

Wie wir alle wissen, ist es immer viel einfacher, eine neue berufliche Herausforderung zu finden, wenn man sich in einer Anstellung befindet, als wenn man bereits arbeitslos ist. Wer klug ist, denkt also rechtzeitig nach, plant weise und sieht die nächsten Schritte bereits vor sich.

Diese Logik gilt eindeutig auch für Unternehmen. Der CEO eines führenden europäischen Rüstungskonzerns, der gleichzeitig Mitglied mehrerer Verwaltungsräte ist, vertraute mir neulich an: «Es ist wirklich absurd zu glauben, dass man erst dann aktiv werden müsse, wenn bereits Probleme aufgetreten sind. Bei einem Führungsteam, das nicht über Veränderungen nachdenkt, wenn das Geschäft floriert, sollte jeder Verwaltungsrat hellhörig werden!»

Seiner Meinung nach muss eine Führungskraft gerade in Zeiten des Wachstums eine Umgestaltung der Organisation in die Wege leiten. Das bedeutet, dass Entwicklungen vorweggenommen, Teams entsprechend vorbereitet und – was besonders wichtig ist – die Vision, die diese Veränderungen trägt, klar kommuniziert wird.

Genau in solch erfreulichen Zeiten wird die Grundlage für wahres Engagement gelegt. Die Teams halten zusammen und das Unternehmen verfügt über echte Reaktionsfähigkeit, mit welcher es sich kommenden Herausforderungen zu stellen vermag. Solche günstigen Voraussetzungen sorgen dafür, dass das Unternehmen agil bleibt und Entwicklungen auf dem Markt effizient bewältigen kann. Aufgezwungene Veränderungen hingegen sind oft eine Folge früherer Untätigkeit und ziehen in der Regel eine Reihe von Problemen nach sich. Soziale Auswirkungen wie Entlassungen sind dann keine Seltenheit.

Paradoxerweise sorgen deshalb rechtzeitig eingeleitete  Veränderungen für viel mehr Stabilität als stur am Status quo festzuhalten.

Unternehmen, die dann den Mut zur Veränderung haben, wenn gerade alles bestens läuft, verzeichnen eine geringere Fluktuation. Ihre Mitarbeitenden sind mit mehr Engagement bei der Arbeit, was nicht zuletzt zu nachhaltigeren Ergebnissen führt.

Was für Unternehmen gilt, bewahrheitet sich auch auf der individuellen Ebene: Proaktive Menschen haben ihre Karriere besser im Griff. Sie sind gelassener und ihnen bieten sich lohnendere Chancen. Es ist aber nie zu spät, ein Netzwerk aufzubauen,  Vorgesetzte um Feedback zu bitten, einen Coach beizuziehen oder sich Gedanken über die weitere berufliche Laufbahn zu machen, sei es innerhalb des Unternehmens oder in einem ganz neuen Umfeld.

In jedem Falle ist es aber besser, frühzeitig aktiv zu werden – nämlich dann, wenn gerade alles rund läuft.

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