Visionärer CEO oder blinder Häuptling?

Bei diesem Titel werden wohl einige schmunzeln und andere die Stirn in tiefe Falten legen, je nachdem, was sie selbst erlebt haben. Die Erkenntnis ist alles andere als neu: Es gibt toxische CEOs und andere Führungskräfte, die unfähig oder unwillig sind, ihr Handeln auch nur ansatzweise zu hinterfragen. Weshalb bringen wir die Thematik also nochmals zur Sprache, obwohl schon alles gesagt zu sein scheint? Weil wir immer wieder erfahren, dass sie nach wie vor brandaktuell ist. Noch immer verhalten sich viele Unternehmenschefs im besseren Fall eigenmächtig und im schlechteren Fall vollkommen willkürlich. Wenn wir nochmals auf das Problem zurückkommen, dann deshalb, weil wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich längerfristig doch etwas ändert, wenn wir darüber sprechen.
 
Als Executive-Search-Dienstleister sind wir mit einem Dilemma konfrontiert, das glücklicherweise nicht häufig vorkommt, aber doch hin und wieder, und ganz harmlos beginnt: Ein KMU-Patron beauftragt uns mit der Suche nach einer Führungspersönlichkeit. Im Rahmen dieser Suche kommt es zu zahlreichen Interaktionen mit dem Auftraggeber. Wir müssen die Kultur, die Werte, die Organisation des Unternehmens verstehen und das ideale Profil aufgrund der Bedürfnisse, Wachstumsaussichten und anderer relevanter Faktoren herausarbeiten. Langsam zeigt sich im Laufe dieser Kontakte, dass unser Gegenüber eine – gelinde gesagt – nicht sehr umgängliche Art hat. So sehr, und hier liegt das Dilemma, dass wir uns nicht mehr wirklich wohl fühlen, wenn wir jemandem empfehlen, ein Bewerbungsdossier einzureichen. Wenn dieser Moment früh genug kommt, können wir das Problem lösen, indem wir auf das Mandat verzichten. Häufig zeigen solche Patrons ihren wahren Charakter jedoch erst später, wenn z.B. unser Kandidat oder unsere Kandidatin bereits seit einigen Tagen oder Wochen im Unternehmen arbeitet.
 
Dann öffnet sich die Büchse der Pandora: Wir begreifen, dass dieser CEO autoritär ist, auf niemanden hört, sich mit Ja-Sagern umgibt, kritische Stimmen aus dem Weg räumt und weder Widerspruch noch Diskussionen toleriert. Kurz: Dass dieser CEO nicht die geringste Fähigkeit hat, sich zu hinterfragen.
 
Erfahrungsgemäss haben solche Charaktere jedoch die Tendenz, sich mit ihrem Status zu legitimieren, sich selbst und allen anderen etwas vorzumachen, nur das zu hören, was ihnen passt, dünnhäutig zu reagieren und ihre Meinung nach Lust und Laune zu ändern, ohne Logik und Vernunft.
 
Isoliert betrachtet scheint dieses Verhalten vielleicht nicht so gravierend. Die Menschen im beruflichen Umfeld solcher Personen leiden jedoch darunter. Es schlägt auf die Stimmung, die Motivation und die Psyche. Die logischen Folgen: Burnouts, Kündigungen, kaum gute Bewerbungen (das Image geht schnell herum, vor allem ein schlechtes), gedrückte Stimmung im Unternehmen, wovon unser Held aber nichts weiss, weil er blind ist für die Realität und in seiner eigenen Welt lebt. Normalerweise raten wir unseren Kunden, Persönlichkeiten einzustellen, die das Niveau der Firma anheben, solche Regenten hingegen wünschen sich das Gegenteil.
 
Wie gehen wir damit um? Menschen mit einer gewissen Kritikfähigkeit laufen nicht Gefahr, auf solche Abwege zu geraten. Andere, von denen wir hier sprechen, hingegen schon. Aufgrund der fehlenden Kritikfähigkeit ist es nicht einfach, ein Gegenmittel zu finden. In gewissen Fällen kann man bei der Governance ansetzen. Häufig besteht der Verwaltungsrat von KMU’s nicht aus Fachpersonen, sondern aus Familienmitgliedern, die das Aktionariat bilden und von der Realität in der Firma und der Inkompetenz des Regenten, der sie oft und gerne manipuliert, keine Ahnung haben. Eine Chance (und mehr als das) kann ein VR-Mitglied sein, das von aussen kommt, den übrigen Mitgliedern des Gremiums die Augen öffnet und die Dinge in eine gute Richtung lenkt. Leider ist auch das kompliziert, und die Angehörigen resignieren oft bald wieder, wenn ihre Meinung einfach kein Gehör findet. Soll man also einfach die Naturgesetze spielen lassen und warten, bis diese selbstzerstörerische Haltung ins unausweichliche Desaster führt? Leider verursacht dies als Nebenfolgen psychologische Schäden bei den Mitarbeitenden, die ans Unternehmen glauben und sich häufig schuldig fühlen, da sie die Probleme nicht lösen können.
 
Unerträglich sind auch die Reaktionen solcher Häuptlinge, die selbst in der Niederlage ihre Fehler nicht eingestehen können und alle anderen für das Scheitern verantwortlich machen. Denken Sie deshalb daran: Ein Unternehmen kann nur so gut sein, wie es seine Governance zulässt.

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