Ich, ich und wieder ich… und die Kunst, sich für andere zu interessieren

Cicero, einer der rhetorischen Meister im alten Rom verstand, wie wichtig es ist, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu gewinnen, um eine Nachricht effizient zu übermitteln. Seine Technik bestand darin, zu Beginn einer Rede die wohlwollende Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich zu ziehen – ein absolutes Muss für eine erfolgreiche Kommunikation. Für die Sophisten, die griechischen Meister der rhetorischen Überzeugungskunst, heiligte wiederum der Zweck die Mittel und Kommunikation galt einzig und allein der Absicht, sein Ziel zu erreichen. Zynismus, Scheinheiligkeit und Lüge waren hier fehl am Platz.

Auch in unserem Beruf und bei der Arbeitssuche im Besonderen sind Integrität, Ehrlichkeit und Authentizität besonders wichtig. Doch sollte man auch die Regeln kennen, wie man die Aufmerksamkeit der Zuhörer weckt. Wie gelingt dies in einem Gespräch, dessen Ziel (eine Arbeitsstelle zu erhalten) klar ist, in dem es keine Überraschungen mehr gibt (der Lebenslauf wurde im Vorfeld analysiert) und die Aufnahmefähigkeit des Arbeitgebers manchmal aufgrund von Müdigkeit und dem Durchlauf der Bewerber recht niedrig ist?

In unserem Beruf als Berater treffen wir auf eine Vielzahl von Menschen, insbesondere auf Führungskräfte. Uns überrascht sehr oft das mangelnde Interesse der Bewerber gegenüber ihren Zuhörern: Sie sind sehr auf ihre eigene Person fokussiert. Das lässt sich teilweise durch den Stress erklären, dem sie bei einem Vorstellungsgespräch ausgesetzt sind, aber nicht nur. Gehör verschafft man sich am besten durch die Einbindung des Gegenübers in das Gespräch und hierfür gibt es kein besseres Mittel, als den Spiess umzudrehen, sich für seinen Zuhörer zu interessieren, Fragen über ihn, das Unternehmen, den Arbeitsplatz, und über alles Mögliche zu stellen.

Echtes Interesse geht von Neugierde aus, eine der Haupteigenschaften, über die eine Führungskraft verfügen sollte. Neugierde führt dazu, Fragen zu stellen, Dinge in Frage zu stellen und sich dem Unerwarteten gegenüber zu öffnen. Einer meiner Freunde hat stets eine riesige Freude daran, auf Jobsuche zu sein. Was die meisten von uns verunsichert, sieht er als Chance – sei es neue Menschen kennen zu lernen, etwas über andere Berufe und Unternehmen zu erfahren oder sich bewusst unbequemen Situation auszusetzen. Er stellt sich neuen Herausforderungen, informiert sich und lernt nebenbei sehr viel über sich selbst. Es ist daher wenig überraschend, dass niemand in meinem Umfeld so positiv und mit so viel Begeisterung von seinem Job spricht wie er.

Jeder Mensch schätzt es, wenn man sich für ihn interessiert und ihm wirklich zuhört. Indem man Fragen stellt, geht man auf andere Menschen zu, ist auf einer Wellenlänge und ist offen für Neues und für Überraschungen. Ohne dieses aufrichtige Interesse ist es schwierig, die eigenen Kompetenzen und Qualitäten glaubhaft zu vermitteln.

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